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Erinnerungen von Wolfgang J. Herrmann zum Brauereigelände, Herrnstraße 9 und Kißkalt-Grundstücke (Der Beck)

Als Kinder haben wir unten auf der Wiese, auf der rechten Seite des Flußes, der Rednitz gespielt, Sommer wie Winter. Im Sommer haben wir zwischen den Pferden gespielt, das war auch gleichzeitig die Weide, heute unmöglich. Die Pferde haben da ihre Geschäfte verrichtet neben den Brunnen...

Zwischenfrage: Wo waren die Brunnen genau?

Das sind 3 oder 4 Brunnen, die waren zwischen Fluß und Abhang...

Zwischenfrage: Im heutigen Wasserschutzgebiet?

Das gehört zum Wasserschutzgebiet, aber die Brunnen sind heute noch Brauerei. Auf der linken Flußseite die Brunnen die gehören der Stadt. Gut, da haben wir zwischen den Pferden gespielt und im Sommer sind wir zum Kühlen, wir haben im Fluß gebadet und es waren heiße Sommer, in die Brauerei in den Gärkeller. Und dann sind wir etwas angeheitert immer aus den Gärkellern rausgekommen. Das gleiche war im Winter, wenn man zum Schlittenfahren...

Zwischenfrage: Da kam man so ohne weiteres rein?

Konnte man...

Zwischenfrage: Wenn man jemand kannte?

Nein, wir Kinder haben da immer Zutritt gehabt. Und da war ja noch der Eingang...

Zwischenfrage: Der Hintereingang?

Nein, da war der Eingang in der Fichtenstraße. Das Pförtnerhäuschen steht heute noch, da steht „Portier“ dran, das ist Französisch und heißt auch nichts anderes wie Pförtner. Und im Winter sind wir da auch rein gegangen zum Aufwärmen und da haben wir zugeschaut wie Pferde angeschirrt worden sind. Und ab und zu, wenn...

Zwischenfrage: In welchen Jahren bewegen wir uns?

Wir bewegen uns zwischen 1949 und 1953/54. Und wenn einer der Mitarbeiter der Brauerei uns gut gesinnt war, hat er uns in den Schawander eingeladen zu einem Vesper. Da hat es dann Bubilimonade gegeben.

Zwischenfrage: Wer war der Eigentümer zu der Zeit?

Die Brauerei gehörte noch der Familie Humbser. Da stand auch noch, wo heute das Flaschenlager ist, dieses Hochlager, die Villa der Familie Humbser und...

Zwischenfrage: Eines der Gebäude steht heute noch?

Abgerissen, da war das Pförtnerhäuschen unten in der Dambacher Straße.

Zwischenfrage: Evt. weiter oben?

Hat damit nichts zu tun. In der Dambacher Straße das war das Pförtnerhäuschen für die Villa, die hatten einen separaten Eingang zu ihrer Villa und in diesem Garten haben wir auch gespielt und ein Freund von mir - genannt Fischerle, da kann ich auch noch was dazu sagen, wie er zu diesem Hausnamen kam, wir waren so dünn, wir sind zwischen den Eisenstäben des Zaunes durchgekommen und haben da gespielt. Und plötzlich war da mal ein Schäferhund.

Zwischenfrage: Zur Villa gehörig? Und dann haben wir den Hund etwas geärgert und sind zwischen den Stäben immer durch. Und eines Tages hat es nicht mehr funktioniert. Wir mussten zwischen den Palisaden, den Sandsteinpalisaden und den Stäben durch und das war dann schon etwas knapp. Da sind wir nicht mehr rein.

Bevor die Stadt den Plan aufgab die Umgehungsstraße Herrnstraße rüber nach der Villenkolonie und Dambach zu bauen, hat die Brauerei an der Herrnstraße geendet.

Zwischenfrage: An der Stelle wo lange eine Schreinerei stand, wo heute ein Sparkassengebäude steht?

Da kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Aber ich habe noch erlebt, wie die Straße geschlossen wurde, das war die Salzstraße.

Zwischenfrage: Holzstraße?

Holzstraße ja, das Stück Straße hat die Brauerei bekommen und dafür wurde dann an der Herrnstraße die Straße verbreitert. Aber der Herr Schickedanz hat ja dann einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was im Nachhinein sicher, bzw. der Plan da eine Straße zu erweitern sich als unsinnig herausgestellt hat.

Zwischenfrage: Können sie sich an die Herrnstraße 9, das Hochhaus erinnern?

Ja ich weiß noch wie es dort früher ausgesehen hat. Ich war nie drin, aber ein Schulkamerad von mir, dessen Vater, der war der erste Hausmeister dort. Die hatten in dem kleinen Nebengebäude, in der Herrnstraße, das war im Flachbau ursprünglich eine Reinigung betrieben.

Zwischenfrage: Das Gebäude an dem heute noch eine Reinigungsreklame zu sehen ist?

Ich weiß aber nicht wie es innen ausschaut, ich war nie in diesem Hochhaus drin. Aber vorher waren da noch Gebäude von der Brauerei und wie sie schon sagten eine Schreinerei, aber da habe ich wenig Erinnerung. Mehr Erinnerung habe ich an die gegenüberliegende Seite, als der Opel Kropf noch drin war.

Zwischenfrage: Die Gebäude in denen heute die Beck-Filiale drin ist?

Ja, die Kißkalt-Grundstücke.

Zwischenfrage: Wie weit gingen denn die Grundstücke? Welche Bedeutung hatten sie?

Der Herr Kißkalt war ein Industrieller in Fürth.

Zwischenfrage: Auf das Gelände bezogen?

Das waren vorher Gärten und die Erben der Familie Kißkalt haben das dann umgestaltet und an die Firma Opel Kropf vermietet.

Zwischenfrage: Das sind dann die 50er Jahre Pavillons?

Der Ausstellungsraum und hinten die Werkstatt, die Tankstelle die danach kommt, die gab es damals nicht, da waren noch Gärten. Auch Ecke Ludwigstraße und Herrnstraße waren Gärten und auch in der Ludwigstraße anschließend das neuere Gebäude, das waren auch Gärten. Die Familie Kißkalt, die Erben leben heute noch und verwalten noch die Grundstücke und Gebäude ihres - sagen wir - Dynastiegründers.

Zwischenfrage: Noch in Fürth ansässig?

Jawohl, die sind heute noch in Fürth ansässig. In dem Haus neben dem heute der Beck drin ist, dann kommt ein Sonnenstudio und dann kommt dieses Haus, da wohnt noch der Vermögensverwalter...

Zwischenfrage: Kleine Pause?

Das Interview fand statt am 19. April 2007 im Stadtpark-Cafe

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