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"jüdisch jetzt" am Stadttheater Fürth 2009

Zu meiner Produktion „jüdisch jetzt“ war uns schnellklar, dass wir keine lineare Geschichte erzählen konnten, sondern eher mit Eindrücken, Gedankenschnipseln und Erinnerungsplittern arbeiten wollten. Kaleidoskopartig. Der Zuschauer sollte selber in seinem Kopf kombinieren und mitunter auf die falsche Fährte gelockt werden, dann wieder passende Hinweise finden.
In dem Zusammenhang müssen auch Wörter wie „Puzzle“ und „Memory“ gefallen sein, jedenfalls brachte bei einem der ersten Gespräche mit meinem Bühnenbildner Christian van Loock dieser das Fürth-Memory als Anschauungsobjekt mit. Sofort hatte ich die Idee, zehntausende dieser Spielkarten auf dem Boden ausgebreitet und zu Bergen gehäuft zur Rauminstallation für „jüdisch jetzt“ zu machen. Wir haben das natürlich wenig später wieder verworfen. Neben technischen Problemen – wie imprägniert man bedruckten Karton feuerfest und brandschutzsicher, ohne die Motive zu zerstören? – gab es zu Recht die Bedenken, dass es doch einfach schade wäre, die Zuschauer über die schönen Quadrate latschen zu lassen.
Übrig geblieben ist dann aber doch etwas: das Plakat-Motiv spielt ganz offensichtlich mit der Idee Memory. Und sogar im Bühnenbild findet sich ein Rest: nämlich eine einzige, zwei mal zwei Meter große „Spielkarte“ auf Rollen als bewegliche Spielwiese. Quadratisch ,praktisch und sehr gut. Danke an Katja Waldhauser für die vielen unbewussten Schnittmengen und Kreuzungspunkte. Und wahrscheinlich gibt es 2011 eine Wiederaufnahme, so dass weiteren Begegnungen und Erinnerungen in und an Fürth nichts im Wege steht. Ich freue mich!

Christian Schidlowsky, Regisseur, Autor und Dozent